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    Kletterseil – technische Anforderungen PDF Drucken E-Mail
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    Anforderungen an ein Kletterseil


    Grundsätzlich reißen moderne Kletterseile nicht. Allein in Ausnahmefällen wenn das Seil über eine scharfe Kante läuft und stark belastet wird, kann es zu diesem Unglück kommen. Die Hersteller haben auch dagegen inzwischen Technologien entwickelt und geben manchmal einen Faktor „Kantenfestigkeit“ an. Alle Eigenschaften eines neuen Seils werden in den technischen Angaben wiedergegeben. Auch Kletterseile unterliegen je nach Gebrauch einer gewissen Abnutzung, sodass die angegebenen Werte uneingeschränkt nur für das neue Seil gelten.

    Seildehnung


    Kletterseile sind, mit Ausnahme der statischen Seile, dynamisch konzipiert, das heißt sie dehnen sich unter Belastung. Einen hohen Sturz in ein statisches Seil würde man vermutlich nicht einmal überleben. Diese Seildehnung wird vor allem durch den Kernaufbau gewährleistet und variiert je nach Seil und Hersteller leicht. Unter statischer Normbeanspruchung, das heißt ohne Sturz, dehnen sich beispielsweise Einfachseile um etwa sieben Prozent, bei dynamischer Belastung um etwa dreißig bis vierzig Prozent.

    Normsturz


    Die Seildehnung und alle anderen technischen Angaben werden nach einer für alle Hersteller verbindlichen Norm getestet. Daher leitet sich auch der Begriff „Normsturz“ ab. Mit jedem neuen Seil wird die Anzahl der „Normstürze“ angegeben, die es ohne sicherheitsrelevante Verschlechterung seiner Eigenschaften übersteht. Die Mindestanzahl ist laut Vorschrift fünf. Der Normsturz simuliert einen Sturz im Vorstieg mit achtzig Kilogramm und rund fünf Meter freiem Fall in die letzte Zwischensicherung. Es sind aber nur etwa zweieinhalb Meter Seil, die die gesamte Energie aufnehmen müssen. Daraus ergibt sich eine Belastung, wie sie in der Realität praktisch nicht vorkommt. Denn je mehr Seil ausgegeben ist, desto mehr Energie kann vom Seil durch Dehnung aufgenommen werden: Der Sturz ist weniger hart.

    Fangstoß


    Als Kennzahl für die Härte des Sturzes unter den genannten Normbedingungen steht der „Fangstoß“. Er bezeichnet die maximale Kraft, die beim Normsturz auf das Gewicht wirkt, und wird in Kilonewton angegeben. Zwölf Kilonewton ist der maximal zulässige Wert. Mit abnehmender Seilelastizität erhöht sich der Fangstoß, da das Seil weniger Energie absorbieren kann. In der Realität wird der Fangstoß jedoch immer schon durch die Eigendynamik des Sicherns reduziert: Die Seilreibung an den Zwischensicherungen, der Bremsvorgang und das Sicherungsgerät reduzieren diese Kraft deutlich. Der Sichernde kann die Belastung für den Stürzenden damit erheblich mindern.

    Den Normen gerecht zu werden ist eine Sache. Gleichzeitig sollen Kletterseile aber auch Ansprüchen an geringes Gewicht, gutes Handling oder speziellen Herausforderungen, zum Beispiel für das Eisklettern, genügen.
    Dünnere Seile ergeben bei gleicher Länge in der Regel ein geringeres Gewicht als dickere Seile. Nicht nur am absoluten Leistungslimit der Kletterelite kann dieser Faktor relevant werden, auch bei einem längeren Zustieg wird ein leichteres Seil den Rucksack deutlich entlasten. Seile, die auf Gletscher- und Eistouren zum Einsatz kommen, sollten beispielsweise imprägniert und gegen das Vollsaugen mit Wasser geschützt sein. In diesem Fall spielt nicht allein das Gewicht eine Rolle, nasse Seile sind in ihrer Leistung und Dynamik erheblich beeinträchtigt. Generell macht eine Imprägnierung das Seil gegen Umwelteinflüsse resistenter.

    Aus diesen Qualitäts- und Charaktereigenschaften ergeben sich Preisunterschiede, die im verschieden aufwendigen Herstellungsverfahren gerechtfertigt sind. Mag das günstige Seil auch attraktiv für den Erstkauf sein, eine etwas höhere Investition wird mit Sicherheit die Freude am ersten Seil verlängern.